Samstag, 15. November 2008
Abdullah Ibrahim
Im Morgenweb (dem Webportal des Mannheimer Morgen) ist die Konzertrezension so betitelt: Schönheit unter Verschluß. Das war leider am Abend des Konzerts nur allzu wörtlich zu nehmen: Unter Androhung des Konzertabbruchs bestand nämlich Abdullah Ibrahim darauf, dass nach Konzertbeginn niemand mehr in den Saal hinein oder heraus könne. Auch nicht hinaus, weder zum Pinkeln noch zum Kinderkriegen.
Da wir nach Organisation der Familienangelegeneheiten (Kinderbetreuung), 40-minütiger Anfahrt und einigen Minuten Parkplatzsuche mit 14 Minuten Verspätung im Feierabendhaus anlangten, gehörten wir zu den Abgewiesenen. Wir trafen verlegene bis genervte Enjoy-Jazz- und BASF-Kulturmanagement-Mitarbeiter, die den kleinen Grüppchen der Nachzügler jeweils die gleiche Geschichte erzählen mußten: Im Foyer im ersten Stock sind zwei Bildschirme, da können Sie das Konzert verfolgen, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Abdullah Ibrahim hat angedroht, sonst von der Bühne zu gehen.
Da perlten also Abdullah Ibrahims Läufe aus den eingebauten Lautsprechern des Fernsehers, die Kamera war statisch auf die Bühne gerichtet - auf die ganze Bühne, wohlgemerkt, in deren Mitte ein Mann im hellgrauen Anzug vor einem Konzertflügel saß und improvisierte. Die nächsten Sitzgelegenheiten gab es in 7 bis 8 Meter Abstand, von dort hätte man wahrscheinlich nicht einmal etwas gehört, da die Catering-Mannschaft hier fleißig am Abräumen war... Die Schönheit mußte also wohl für diesen einen Abend unter Verschluß bleiben.
Für alle, die zu spät kamen oder nicht nach Ludwigshafen anreisen wollten oder konnten, hat die JazzThetik zum Trost in ihrem Novemberheft einen schönen Artikel zu Abdullah Ibrahim. Nach dessen Lektüre fragte ich mich allerdings noch einmal, was die Beweggründe des Herrn für seine Türen-Zu-Politik gewesen sein mögen.
Da wir nach Organisation der Familienangelegeneheiten (Kinderbetreuung), 40-minütiger Anfahrt und einigen Minuten Parkplatzsuche mit 14 Minuten Verspätung im Feierabendhaus anlangten, gehörten wir zu den Abgewiesenen. Wir trafen verlegene bis genervte Enjoy-Jazz- und BASF-Kulturmanagement-Mitarbeiter, die den kleinen Grüppchen der Nachzügler jeweils die gleiche Geschichte erzählen mußten: Im Foyer im ersten Stock sind zwei Bildschirme, da können Sie das Konzert verfolgen, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Abdullah Ibrahim hat angedroht, sonst von der Bühne zu gehen.
Da perlten also Abdullah Ibrahims Läufe aus den eingebauten Lautsprechern des Fernsehers, die Kamera war statisch auf die Bühne gerichtet - auf die ganze Bühne, wohlgemerkt, in deren Mitte ein Mann im hellgrauen Anzug vor einem Konzertflügel saß und improvisierte. Die nächsten Sitzgelegenheiten gab es in 7 bis 8 Meter Abstand, von dort hätte man wahrscheinlich nicht einmal etwas gehört, da die Catering-Mannschaft hier fleißig am Abräumen war... Die Schönheit mußte also wohl für diesen einen Abend unter Verschluß bleiben.
Für alle, die zu spät kamen oder nicht nach Ludwigshafen anreisen wollten oder konnten, hat die JazzThetik zum Trost in ihrem Novemberheft einen schönen Artikel zu Abdullah Ibrahim. Nach dessen Lektüre fragte ich mich allerdings noch einmal, was die Beweggründe des Herrn für seine Türen-Zu-Politik gewesen sein mögen.
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Feierabendhaus der BASF,
Piano
Sonntag, 9. November 2008
Arve Henriksen und Jan Bang
Auf dieses Konzert hab ich mich sehr gefreut. Und die feste Absicht, mir die CD (erschienen am 7.November, einen Tag vor dem Konzert) auf jeden Fall zu kaufen.
Als es dann losging, hatte ich die CD bereits in der Tasche. Und war mir nach einiger Zeit nicht mehr so sicher, ob ich sie wirklich haben wollte.
Das besondere an Arve Henriksen ist sein Ton. Es ist ein sehr sanfter, samtener, oft hauchiger Ton. Manchmal schafft er es, die Trompete wie eine Oboe oder eine tiefe Flöte klingen zu lassen - unglaublich, ich hätte nicht gedacht, dass das geht.
Aber ich hatte Mühe, in dem Konzert »dranzubleiben« und wirklich zuzuhören. Was war bloss los? Es war schöne, mitunter geradezu schwelgerische Musik, die Henriksen mit dem Elektronik-Spezialisten Jan Bang da zauberte. Die Beschallung war perfekt. Allerdings gab es Momente, in denen ich vor lauter Wohlklang und Schönheit weglaufen wollte. Man konnte oft schon im Ansatz vorhersehen oder ahnen, welche Linie Henriksen als nächstes spielen würde, und die Frage formte sich in meinem Kopf: Warum spielt er es dann noch?
Natürlich sollte das alles »gebrochen« werden, wie man so schön sagt, durch den Einsatz von Elektronik (und Jan Bang macht gerne Live-Sampling - aufgenommene Schnipsel werden verarbeitet und dann wiedergegeben). Allerdings schien am Anfang mit dem Keyboard etwas nicht in Ordnung zu sein (ein merkwürdiger verzerrter Ton, als sei irgendwo ein Transistor durchgebrannt), und ich fragte mich fortan oft, ob das alles wirklich so »gemeint« war oder ob etwas schiefgegangen war..
Dieser Eindruck wurde noch unterstützt durch den für meinen Geschmack unbeholfenen Einsatz kurzer Delays, der manchmal wohl »humorig« klingen sollte und auch vom Publikum teilweise mit einer Art vernehmlichen Schmunzeln kommentiert wurde. Aber was sollte das? Das wächst doch so nicht zusammen.
Zu Hause hab ich mir die Platte angehört. Ja, von dem verzerrten Ton ist nirgends was zu hören. Auch die unbeholfenen Echos fehlen. Und man kann davon ausgehen, dass die Musik so gemeint ist, wie sie erklingt. Schliesslich haben alle, auch Manfred Eicher höchstpersönlich, wohl nochmal drübergehört.
Es ist ein Soundtrack zu einem versonnenen Film aus dem hohen Norden, der von Elfen erzählt und von Leuten, die ihre Jacken zuknöpfen, während sie sich feuchtes Herbstlaub anschauen. Es ist ein Soundtrack zu einem gemütlichen Leseabend. Zu nettem Post-Abendessen-Geplauder mit Freunden am Kaminfeuer. Aber für meinen Geschmack nichts für einen Abend auf einem Stuhl im Karlstorbahnhof.
Als es dann losging, hatte ich die CD bereits in der Tasche. Und war mir nach einiger Zeit nicht mehr so sicher, ob ich sie wirklich haben wollte.
Das besondere an Arve Henriksen ist sein Ton. Es ist ein sehr sanfter, samtener, oft hauchiger Ton. Manchmal schafft er es, die Trompete wie eine Oboe oder eine tiefe Flöte klingen zu lassen - unglaublich, ich hätte nicht gedacht, dass das geht.
Aber ich hatte Mühe, in dem Konzert »dranzubleiben« und wirklich zuzuhören. Was war bloss los? Es war schöne, mitunter geradezu schwelgerische Musik, die Henriksen mit dem Elektronik-Spezialisten Jan Bang da zauberte. Die Beschallung war perfekt. Allerdings gab es Momente, in denen ich vor lauter Wohlklang und Schönheit weglaufen wollte. Man konnte oft schon im Ansatz vorhersehen oder ahnen, welche Linie Henriksen als nächstes spielen würde, und die Frage formte sich in meinem Kopf: Warum spielt er es dann noch?
Natürlich sollte das alles »gebrochen« werden, wie man so schön sagt, durch den Einsatz von Elektronik (und Jan Bang macht gerne Live-Sampling - aufgenommene Schnipsel werden verarbeitet und dann wiedergegeben). Allerdings schien am Anfang mit dem Keyboard etwas nicht in Ordnung zu sein (ein merkwürdiger verzerrter Ton, als sei irgendwo ein Transistor durchgebrannt), und ich fragte mich fortan oft, ob das alles wirklich so »gemeint« war oder ob etwas schiefgegangen war..
Dieser Eindruck wurde noch unterstützt durch den für meinen Geschmack unbeholfenen Einsatz kurzer Delays, der manchmal wohl »humorig« klingen sollte und auch vom Publikum teilweise mit einer Art vernehmlichen Schmunzeln kommentiert wurde. Aber was sollte das? Das wächst doch so nicht zusammen.
Zu Hause hab ich mir die Platte angehört. Ja, von dem verzerrten Ton ist nirgends was zu hören. Auch die unbeholfenen Echos fehlen. Und man kann davon ausgehen, dass die Musik so gemeint ist, wie sie erklingt. Schliesslich haben alle, auch Manfred Eicher höchstpersönlich, wohl nochmal drübergehört.
Es ist ein Soundtrack zu einem versonnenen Film aus dem hohen Norden, der von Elfen erzählt und von Leuten, die ihre Jacken zuknöpfen, während sie sich feuchtes Herbstlaub anschauen. Es ist ein Soundtrack zu einem gemütlichen Leseabend. Zu nettem Post-Abendessen-Geplauder mit Freunden am Kaminfeuer. Aber für meinen Geschmack nichts für einen Abend auf einem Stuhl im Karlstorbahnhof.
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Arve Henriksen,
Jan Bang,
Live Sampling,
Trompete
Freitag, 7. November 2008
Nik Bärtschs Ronin
Was für ein Abend, was für eine Band!
Es ist ja schon so allerhand über Nik Bärtschs Ronin geschrieben worden, kann man alles im Bärsch-eigenen Pressespiegel nachlesen.
Das Konzept ist so eigenwillig wie überzeugend: Minimal mit Funk gekreuzt, um es mal auf einen (allzu schlichten) Nenner zu bringen. Es gibt keine Soli im herkömmlichen Sinne, und schon gar keine Changes. Die Stücke werden mit viel Bedacht aus Kleinstmotiven und deren Varianten aufgeschichtet, bis die ganze Band hörbar und fühlbar groovt. Statt aber langsam wieder abzuschichten, wie man das vielleicht erwarten würde, erfolgen mitunter auf Zuruf des Leaders plötzliche Richtungswechsel - das einzige Bild, das mir dazu einfällt, ist das Verhalten mancher Fischschwärme, die in Bruchteilen von Sekunden als ganzes Tempo und Richtung ändern können. Einige Stücke hatten einen ähnlich eindrucksvollen Schluß: Auf einen Schlag, mitten aus dem schönsten rollenden Groove heraus ist Ruhe. Als sollte durch den Kontrast verdeutlicht werden, wie schön rund doch eben alles gerade noch lief.
Die komplexen Metren werden durch den Perkussionisten zusammengehalten, der praktisch immer den Puls vorgibt. Das Schlagzeug baut eher darauf auf und setzt Akzente. Die Baßklarinette wechselt zwischen melodischen Kleinstmotiven und perkussiven Luftstößen.
Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn des Konzerts fast ein wenig »beengt« gefühlt habe - ich bedauerte die Musiker, die einen Abend lang vorkomponierte Strukturen spielen sollten, die noch dazu komplex sind und wahrscheinlich höchste (Zähl-)Konzentration verlangen. Meinem Begleiter ging es so ähnlich. Interessanterweise war dieses Gefühl aber innnerhalb weniger Minuten verflogen. Zum einen, weil diese Band einfach so tierisch groovt. Zum anderen war den Musikern der Spaß an der Sache deutlich anzumerken: sie freuten sich sichtbar, und ich glaube sagen zu können, dass das auch mit den rhythmischen Reibungen zwischen Gesamtklang und eigenem Beitrag zu tun hatte.
Es ist ja schon so allerhand über Nik Bärtschs Ronin geschrieben worden, kann man alles im Bärsch-eigenen Pressespiegel nachlesen.
Das Konzept ist so eigenwillig wie überzeugend: Minimal mit Funk gekreuzt, um es mal auf einen (allzu schlichten) Nenner zu bringen. Es gibt keine Soli im herkömmlichen Sinne, und schon gar keine Changes. Die Stücke werden mit viel Bedacht aus Kleinstmotiven und deren Varianten aufgeschichtet, bis die ganze Band hörbar und fühlbar groovt. Statt aber langsam wieder abzuschichten, wie man das vielleicht erwarten würde, erfolgen mitunter auf Zuruf des Leaders plötzliche Richtungswechsel - das einzige Bild, das mir dazu einfällt, ist das Verhalten mancher Fischschwärme, die in Bruchteilen von Sekunden als ganzes Tempo und Richtung ändern können. Einige Stücke hatten einen ähnlich eindrucksvollen Schluß: Auf einen Schlag, mitten aus dem schönsten rollenden Groove heraus ist Ruhe. Als sollte durch den Kontrast verdeutlicht werden, wie schön rund doch eben alles gerade noch lief.
Die komplexen Metren werden durch den Perkussionisten zusammengehalten, der praktisch immer den Puls vorgibt. Das Schlagzeug baut eher darauf auf und setzt Akzente. Die Baßklarinette wechselt zwischen melodischen Kleinstmotiven und perkussiven Luftstößen.
Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn des Konzerts fast ein wenig »beengt« gefühlt habe - ich bedauerte die Musiker, die einen Abend lang vorkomponierte Strukturen spielen sollten, die noch dazu komplex sind und wahrscheinlich höchste (Zähl-)Konzentration verlangen. Meinem Begleiter ging es so ähnlich. Interessanterweise war dieses Gefühl aber innnerhalb weniger Minuten verflogen. Zum einen, weil diese Band einfach so tierisch groovt. Zum anderen war den Musikern der Spaß an der Sache deutlich anzumerken: sie freuten sich sichtbar, und ich glaube sagen zu können, dass das auch mit den rhythmischen Reibungen zwischen Gesamtklang und eigenem Beitrag zu tun hatte.
Montag, 3. November 2008
Holly Cole
In der Pause dachte ich an Ricki Lee Jones' Interpretation von »Rainbow Sleeves«. Diesen Song soll Tom Waits speziell für Ricki Lee Jones geschrieben haben. Die traurig-schöne Trinkerballade erschien 1983 auf der 10" Mini-LP »Girl at her Volcano«, mit melancholischem Piano und schwelgerischen Streichern umgesetzt: »Now Whiskey gives you wings to carry each one of your dreams...«
Als Holly Cole sich im zweiten Set zu ihrem Pianisten auf den Klavierschemel setzte und jener mit melancholischen Arpeggien einsetzte... Sie wird doch nicht...? Doch, tat sie. Sie sang »Rainbow Sleeves«. Und weils im Duett mit dem Flügel so schön war, kam gleich noch »Someone To Watch Over Me« hinterher, wahrscheinlich der einzige Nicht-Tom-Waits-Song des Abends.
Samstag, 1. November 2008
Bill Frisell
Was Bill Frisell am 1. November in der Aula der Universität im Mannheimer Schloß anstellte, war nicht ganz neu: er beschäftigt sich offenbar schon länger mit Live-Stummfilmvertonung. Das obige Video z.B. zeigt einen Auftritt von 1994, ebenfalls in Trio-Besetzung. Mitte der 90er Jahre erschienen auch zwei CDs mit Filmmusik zu Keaton-Filmen.
Am 1. November zeigte Frisell nicht nur zwei (relativ lange) Filme von Buster Keaton, sondern auch einige ziemlich düstere Arbeiten von Jim Woodring.
Band um Umsetzung in Mannheim waren großartig, diese Amerikaner sind im Gegensatz zu anderen Amerikanern über jeden Zweifel erhaben. Die Atmosphäre in der Aula ist allerdings eher abschreckend, und mein privates Dilemma war, dass ich immer wieder »vergaß«, mich auf die Musik zu konzentrieren, weil ich schlicht und einfach den Film anschaute. Trotzdem. Schönes Konzert.
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