Sonntag, 9. November 2008

Arve Henriksen und Jan Bang

Auf dieses Konzert hab ich mich sehr gefreut. Und die feste Absicht, mir die CD (erschienen am 7.November, einen Tag vor dem Konzert) auf jeden Fall zu kaufen.

Als es dann losging, hatte ich die CD bereits in der Tasche. Und war mir nach einiger Zeit nicht mehr so sicher, ob ich sie wirklich haben wollte.

Das besondere an Arve Henriksen ist sein Ton. Es ist ein sehr sanfter, samtener, oft hauchiger Ton. Manchmal schafft er es, die Trompete wie eine Oboe oder eine tiefe Flöte klingen zu lassen - unglaublich, ich hätte nicht gedacht, dass das geht.

Aber ich hatte Mühe, in dem Konzert »dranzubleiben« und wirklich zuzuhören. Was war bloss los? Es war schöne, mitunter geradezu schwelgerische Musik, die Henriksen mit dem Elektronik-Spezialisten Jan Bang da zauberte. Die Beschallung war perfekt. Allerdings gab es Momente, in denen ich vor lauter Wohlklang und Schönheit weglaufen wollte. Man konnte oft schon im Ansatz vorhersehen oder ahnen, welche Linie Henriksen als nächstes spielen würde, und die Frage formte sich in meinem Kopf: Warum spielt er es dann noch?

Natürlich sollte das alles »gebrochen« werden, wie man so schön sagt, durch den Einsatz von Elektronik (und Jan Bang macht gerne Live-Sampling - aufgenommene Schnipsel werden verarbeitet und dann wiedergegeben). Allerdings schien am Anfang mit dem Keyboard etwas nicht in Ordnung zu sein (ein merkwürdiger verzerrter Ton, als sei irgendwo ein Transistor durchgebrannt), und ich fragte mich fortan oft, ob das alles wirklich so »gemeint« war oder ob etwas schiefgegangen war..

Dieser Eindruck wurde noch unterstützt durch den für meinen Geschmack unbeholfenen Einsatz kurzer Delays, der manchmal wohl »humorig« klingen sollte und auch vom Publikum teilweise mit einer Art vernehmlichen Schmunzeln kommentiert wurde. Aber was sollte das? Das wächst doch so nicht zusammen.

Zu Hause hab ich mir die Platte angehört. Ja, von dem verzerrten Ton ist nirgends was zu hören. Auch die unbeholfenen Echos fehlen. Und man kann davon ausgehen, dass die Musik so gemeint ist, wie sie erklingt. Schliesslich haben alle, auch Manfred Eicher höchstpersönlich, wohl nochmal drübergehört.

Es ist ein Soundtrack zu einem versonnenen Film aus dem hohen Norden, der von Elfen erzählt und von Leuten, die ihre Jacken zuknöpfen, während sie sich feuchtes Herbstlaub anschauen. Es ist ein Soundtrack zu einem gemütlichen Leseabend. Zu nettem Post-Abendessen-Geplauder mit Freunden am Kaminfeuer. Aber für meinen Geschmack nichts für einen Abend auf einem Stuhl im Karlstorbahnhof.

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