Freitag, 7. November 2008

Nik Bärtschs Ronin

Was für ein Abend, was für eine Band!

Es ist ja schon so allerhand über Nik Bärtschs Ronin geschrieben worden, kann man alles im Bärsch-eigenen Pressespiegel nachlesen.

Das Konzept ist so eigenwillig wie überzeugend: Minimal mit Funk gekreuzt, um es mal auf einen (allzu schlichten) Nenner zu bringen. Es gibt keine Soli im herkömmlichen Sinne, und schon gar keine Changes. Die Stücke werden mit viel Bedacht aus Kleinstmotiven und deren Varianten aufgeschichtet, bis die ganze Band hörbar und fühlbar groovt. Statt aber langsam wieder abzuschichten, wie man das vielleicht erwarten würde, erfolgen mitunter auf Zuruf des Leaders plötzliche Richtungswechsel - das einzige Bild, das mir dazu einfällt, ist das Verhalten mancher Fischschwärme, die in Bruchteilen von Sekunden als ganzes Tempo und Richtung ändern können. Einige Stücke hatten einen ähnlich eindrucksvollen Schluß: Auf einen Schlag, mitten aus dem schönsten rollenden Groove heraus ist Ruhe. Als sollte durch den Kontrast verdeutlicht werden, wie schön rund doch eben alles gerade noch lief.

Die komplexen Metren werden durch den Perkussionisten zusammengehalten, der praktisch immer den Puls vorgibt. Das Schlagzeug baut eher darauf auf und setzt Akzente. Die Baßklarinette wechselt zwischen melodischen Kleinstmotiven und perkussiven Luftstößen.

Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn des Konzerts fast ein wenig »beengt« gefühlt habe - ich bedauerte die Musiker, die einen Abend lang vorkomponierte Strukturen spielen sollten, die noch dazu komplex sind und wahrscheinlich höchste (Zähl-)Konzentration verlangen. Meinem Begleiter ging es so ähnlich. Interessanterweise war dieses Gefühl aber innnerhalb weniger Minuten verflogen. Zum einen, weil diese Band einfach so tierisch groovt. Zum anderen war den Musikern der Spaß an der Sache deutlich anzumerken: sie freuten sich sichtbar, und ich glaube sagen zu können, dass das auch mit den rhythmischen Reibungen zwischen Gesamtklang und eigenem Beitrag zu tun hatte.

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