Mittwoch, 29. Oktober 2008

Humcrush mit Sidsel Endresen

Ja, das war schön. Wir haben es als »Reinitiation« für OpenOrgl benutzt: Mal sehen, was die Klangfrickler aus Norwegen so zu bieten haben... Man ist ja dank Molvaer und Eivind Aarset schon Schönes gewohnt, schön elektronisch, schön dreckig (manchmal), schön anders. Humcrush spannen den Bogen noch etwas weiter: trotz meist durchgängigem Metrum mäandert die Musik ständig, bleibt sich kaum gleich. Sidsel Endresen passte hervorragend dazu. Sie machte im wahrsten Sinn des Wortes »vocal sampling«, arbeitete stimmlich mit Versatzstücken von Musik oder Sprache, die schon wie durch den Sampler gejagt klingen. Ja, gejagt.

So unnahbar sich diese Musik gibt, wenn man auf Harmonie und geläufige Strukturen aus ist, so direkt ist sie doch auch. Sie spricht, so lese ich das, vom Leben, das weitergeht, auch wenn Kommunikation immer wieder fehlschlägt.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Brad Mehldau Trio

Zu dumm. Ich war nicht 'im Lande'. Wie ich höre, war es ein großartiges Konzert.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Und noch ein Wunsch für nächstes Jahr

Esperanza Spalding (Kontrabass) & Gretchen Parlato (Gesang)!

Wie man weiß, sind die beiden tatsächlich manchmal als Duo unterwegs. Und zeigen dabei, meint jedenfalls »The Daily Page«, die Zukunft des Jazz.

Da mag »Die Tägliche Seite« etwas hoch gegriffen haben, aber es stimmt schon: sie sind jung, begabt und sehr, sehr gut.

Von den beiden gemeinsam hab ich kein Video gefunden; hier eines von Esperanza Spalding.



Und hier eines von Gretchen Parlato. Herbie Hancock ist übrigens voll des Lobes. Ebenso wie Wayne Shorter.



Herbie Hancock war ja bekanntlich da, und Jamire Williams, der in diesem Video am Schlagzeug sitzt, war auch da. Auch Linoel Loueke war da, und er wird auf Parlatos nächster CD zu hören sein, ebenso wie sie auf seiner letzten. Wie doch wieder mal alles mit allem zusammenhängt.
Wem da die Six Degrees einfallen, der befindet sich nicht auf dem Holzweg: Herbie Hancock und Wayne Shorter sind nun mal netztheoretisch gesehen ziemliche Hubs.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Drei Wünsche

Wen habe ich vermißt, wen würde ich nächstes Jahre gern bei Enjoy Jazz sehen?

Viele Wünsche sind ja dieses Jahr schon in Erfüllung gegangen, aber wenn ich drei weitere Wünsche frei hätte, würde ich sagen: Sylvain Luc, Sylvain Luc und Sylvain Luc.



Und warum?
Darum (um nur ein Beispiel zu nennen):


Wie man sieht, passt Luc sehr schön in die Duo-Reihe.

Also, wenn ich drei Wünsche frei hätte, würde ich sagen: Sylvain Luc und Olivier Ker, Sylvain Luc und Bireli Lagrene, Sylvain Luc mit dem »Trio Sud«.

Zwei schöne Videos hätt ich noch anzubieten: »Sous le ciel de Paris« und »Softly, As in a Morning Sunrise«. Enjoy! :-)



Montag, 20. Oktober 2008

Raw Materials

Dieser unglaubliche Vijay Iyer war ja schon bei Christian Scott für ein Stück auf der Bühne gestanden. Und nun dieser Duo-Auftritt. Leider konnte ich nicht hin - und hoffe auf die Kommentare! :-)

Christian Scott Quintet

Mann bin ich satt. Dieses Quintett hat es in sich. Fünf junge Musiker - augenscheinlich alle höchstens Ende zwanzig - lassen so richtig schön die Kuh fliegen. So satt war ich schon lange nicht mehr nach einem Konzert. Es war alles geboten: Virtuosität, Dynamik, Groove, Dramaturgie... Die fünf flechten ihren modernen Jazz auf eher rockorientierte Changes.

Herausragend waren für meine Ohren neben Christian Scott an der Trompete vor allem der Schlagzeuger Jamire Williams (Houston, Texas) sowie der Gitarrist Matthew Stevens (Toronto, Canada), der einige höchst inspirierte, mit schnellen Läufen und Emotion aufgeladene Solos spielte. Williams wiederum glänzte durch Präsenz, Spielwitz und die absolute Lockerheit, mit der er auch ausgefallenste Grooves servierte. Scott stellte ihn vor mit den Worten »I like his concept«. Und in der Tat - I like his concept too. ;-)

Hier ein kurzer, aber saftiger und ziemlich aktueller Video-Schnipsel, der einen der überbordenden Höhepunkte eines Konzerts zeigt:


Neben Eigenkompositionen von den beiden mittlerweie erschienenen Alben erklangen eine Hancock-Komposition (»The Eye of the Hurricane«), »Contemplation« von McCoy Tyner und als Zugabe »Blue Monk«. Scott: »Wir machen jetzt etwas, das wir nur selten tun. Wir spielen einen langsamen Blues.«

Montag, 13. Oktober 2008

Camille

Keine Ahnung, wie das passiert ist. Plötzlich ist sie da: Camille. Ich hatte irgendwo im Internet von ihr gelesen und dann gleich nach Videos gesucht: Prima! Nehmen Sie z.B. das da:

Es ist genau die Band, mit der sie auch in der Feuerwache aufgetreten ist. Voll wars, der Sound war hervorragend, die Stimmung war - begeistert. Gut, das Publikum war in mancher Hinsicht vielleicht etwas zurückhaltender, als die Künstlerin sich das gewünscht hätte. Als sie die Anwesenden wiederholte zum Küssen aufforderte, konnte ich in meiner direkten Umgebung nichts entdecken, das an »Wildfremde, die sich innig küssen« erinnert hätte. Sie meinte dann: »Ich fange schon mal an, mich selber zu küssen«, und tat das dann auch ausgiebig und mit sichtlicher Hingabe.

Auch mit dem Mitsingen haperte es ein wenig, aber das schmälerte vielleicht ihren Genuß, aber unseren ganz sicher nicht.

Was mich an dem gegenwärtigen Camille-Hype etwas ärgert, hat garnichts mit der Sängerin selber zu tun. Es ist die Tatsache, dass ich jetzt schon mehrfach im Camille-Kontext etwas abfällige Bemerkungen zu Bobby McFerrin gelesen habe, seine Musik sei selbstverliebt oder Dinge in dieser Richtung. Na schön, McFerrin hat im Lauf der Jahre vielleicht auch die eine oder andere schwache Platte oder Vorstellung abgeliefert. Aber so, finde ich, kann man das dann doch nicht stehen lassen. Zum Ausgleich zeige ich hier ein Video, das mir sehr gefallen hat. Im Duo mit einem Musiker, der auch schon (2006) bei Enjoy Jazz zu sehen war.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Arne Jansen Trio

War ein schönes Konzert. Hab nur gerade keine Zeit, davon zu berichten.

Samstag, 4. Oktober 2008

Herbie Hancock



Das Bild ist von Sjaak und steht unter der Lizenz cc-by-sa-2.0. Es wurde nicht bei dem EnjoyJazz-Konzert aufgenommen, aber Hancock hatte während der Zugabe genau dieses »Hängekeyboard« um.

Er benutzte es, um auf der Bühne herumzulaufen und jeden seiner Mitmusiker zu einem musikalischen Frage-Antwort-Spiel herauszufordern. Der arme Terence Blanchard: er wurde mit einem käsigen Synthie-Sound eingekleistert, mit Harmonien, die gerade-so-eben-noch mit dem Schema von »Chameleon« (das wars, glaub ich, was gerade lief) verbunden waren. Man meinte, ein allgemeines Aufatmen zu verspüren, als der Angespielte sich mit seinem samtenen Trompetenton trickreich und wohlig-melodiös aus der Affäre wand...


Der Sound war übrigens für meine Ohren alles andere als optimal. Die Stadthalle in Heidelberg hat einen quadratischen Grundriss, Emporen und eine leicht gewölbte Decke. Glatte Wände. Au weia. Naja, den Wienern ging es vor zwei Tagen auch nicht besser: »Es war ein hörenswerter Abend ohne wirkliche Überraschungen: Diese gab's nur seitens des als problematisch bekannten Großen Konzerthaussaals, in dem Soundverhältnisse jenseits des Zumutbaren herrschten.«

Positiv fiel Lionel Lueke auf. Er wird von Hancock sehr unterstützt und hatte eine wunderbare Soloeinlage, die sinngemäß so ablief:



Mittwoch, 1. Oktober 2008

»Sie haben gewonnen!«

Wahnsinn. Ich hab diesen Festivalpass für EnjoyJazz gewonnen. Die JazzThetik hatte in ihrer Septemberausgabe, gut versteckt im »MegaPhone«, zwei Festivalpässe ausgelobt. (Für die, die die JazzThetik nicht kennen: Das MegaPhone ist eine Art launig geschriebener Nachrichtenüberblick auf den ersten Seiten der Zeitschrift: Wer spielt wann wo, wer ist gestorben, welche interessanten Projekte und Festivals stehen ins Haus, etc.) Man musste die Musiker nennen, die im Jahre 2006 in Ludwigshafen gespielt haben und für die Aufnahme dieses Konzerts, man höre und staune, den Pulitzer-Preis gewonnen haben, um an der - so vermute ich - Verlosung teilzunehmen.

Weder war ich auf dem betreffenden Konzert, noch hatte ich eine Ahnung, dass der Pulitzer-Preis auch für Musik verliehen wird, aber Google, der Pulitzerpreis-Website und etwas Kombinatorik brachten zutage, dass Ornette Coleman und seine Mitmusiker die Gefragten waren. Ich hatte grossen Nachholbedarf an Konzertbesuchen, liebe Jazz und alles an improvisierter, elektronischer oder sonstwie schräger Musik, lebe in der Nähe der Kurpfalz und war daher der Ansicht, dass mir dieser Gewinn absolut zustände. Andererseits waren meine bisherigen Erfahrungen mit Preisausschreiben selten gut. Der einzige Gewinn, den ich jemals gemacht hatte, war in den 70er Jahren ein Uhu-Klebestift, und damals hatten meine Brüder - beide! - jeweils ein ganzes Arsenal von Klebern und Klebestiften und dazu noch einen grossen gelben Uhu-Sitzball gewonnen...

Nun gut, jetzt lag der grün-schwarze »Gästepass + 1« auf dem Wohnzimmertisch, das Programm war gigantisch und die Freude riesengross.