Ein gediegenes Jazzkonzert (mit überwiegend ebensolchem Publikum) im Feierabendhaus der BASF. Jimmy Cobb, der letzte noch lebende Musiker, der auf »Kind of Blue« mit von der Partie war, hat eine Band zusammengestellt, um den fünfzigsten Jahrestag des Albums zu zelebrieren. Hier die Besetzung:
Jimmy Cobb : dr
Wallace Roney : tp
Javon Jackson : ts
Vincent Herring : as
Larry Willis : p
Buster Williams : b
Ich hatte mir eine »assoziative« Herangehensweise vorgestellt, aber die Band spielte das Album von Anfang bis Ende durch, ergänzt durch »Seven Steps To Heaven« und als Zugabe »Green Dolphin Street«. Was ich ein wenig schade fand, weil man dadurch geradezu gezwungen war, praktisch Note für Note und Mann für Mann zu vergleichen. Und zumindest bei »So What« und »All Blues« stellte sich bei mir leichte Enttäuschung ein.
Ganz traditionell wurde das Thema vorgestellt, und dann spielten die Musiker reihum ihre Solos. Zuweilen etwas ermüdend. Vincent Herring gefiel mir am besten, seine Linien waren gut durchdacht und zupackend bis enthusiastisch dargeboten. Wallace Roney gab sich schon optisch (Sonnenbrille!) Mühe, Miles Davis »darzustellen«, aber seine Art zu solieren nervte stellenweise geradezu. Was beim ersten Stück noch als gewollte »Brechung« wahrgenommen werden konnte, die Auflösung der Linien in ein chromatisches Auf und Ab, sozusagen als Modernisierung der modalen Spielweise, entpuppte sich später als durchgängige Marotte.
Insgesamt ein lohnender Abend mit »Aura«, der aber konzeptionell etwas flach ausfiel. Alles, was Miles machte, hatte Folgen. Und die kann man nicht um des Jubiläums willen für ein paar Dutzend Chorusse einfach ausblenden.
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Dienstag, 27. Oktober 2009
Die ZEIT...
... hat einen Artikel zum 40-jährigen ECM-Jubiläum.
Interessant: der Artikel aus dem Jahre 1994 zum 25-jährigen in der selben Publikation ist irgendwie substanzieller.
Interessant: der Artikel aus dem Jahre 1994 zum 25-jährigen in der selben Publikation ist irgendwie substanzieller.
Montag, 26. Oktober 2009
Anouar Brahem

[Ich finde dieses Bild passt farblich genial zu diesem Weblog. ;-)]
Voll wars in der Aula der Uni Mannheim am Sonntag nachmittag. Und ein wunderbares Konzert. Brahem spielte die Oud sehr beseelt, gewissermaßen »mit verhaltenem Feuer unterm Arsch«. Das Publikum war begeistert und quittierte den Auftritt mit herzlichem Applaus.
Ungewöhnlich die Besetzung: Darbouka (Khaled Yssine), Bass (Björn Meyer), Oud (Brahem), Bassklarinette (Klaus Gesing). Es entstand eine sanft, aber nachhaltig groovende Musik mit hypnotischen Qualitäten. Auch dies ein gelungener interkultureller Brückenschlag: die beiden Europäer fügten sich nahtlos ins sparsame Konzept und fühlten sich im harmonischen und rhythmischen Universum des Tunesiers sicht- und hörbar wohl.
(Nur falls jemand nicht weiß, was eine Darbouka ist. Könnte ja sein.)In der gleichen Besetzung ist auch die aktuelle CD von Anouar Brahem aufgenommen, »The Astounding Eyes Of Rita«, benannt nach einem Gedicht des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish, der letztes Jahr verstarb:
Between Rita and my eyes
There is a rifle
And whoever knows Rita
Kneels and plays
To the divinity in those honey-colored eyes
And I kissed Rita
When she was young
And I remember how she approached
And how my arm covered the loveliest of braids
And I remember Rita
The way a sparrow remembers its stream
Ah, Rita
Between us there are a million sparrows and images
And many a rendezvous
Fired at by a rifle
Rita's name was a feast in my mouth
Rita's body was a wedding in my blood
And I was lost in Rita for two years
And for two years she slept on my arm
And we made promises
Over the most beautiful of cups
And we burned in the wine of our lips
And we were born again
Ah, Rita!
What before this rifle could have turned my eyes from yours
Except a nap or two or honey-colored clouds?
Once upon a time
Oh, the silence of dusk
In the morning my moon migrated to a far place
Towards those honey-colored eyes
And the city swept away all the singers
And Rita
Between Rita and my eyes—
A rifle
Sonntag, 25. Oktober 2009
Vorfreude auf Wolfgang Muthspiel
Seit ich gestern Ralph Towner gesehen habe, freu ich mich um so mehr auf MGT.
Neugierig bin ich insbesondere auf Wolfgang Muthspiel. Hier ein Video von seinem »Friendly Travellers«-Duoprojekt mit Brian Blade. (Blade spielt auch auf Enjoy Jazz, aber im Wayne Shorter Quartett, nicht mit Muthspiel. Es wäre ein lustiges Unterfangen, mal zu schauen, wie viele solcher »hidden cooperations« im Enjoy-Jazz-Programm eines Jahres enthalten sind.)
Auffallend ist die Gitarre des Österreichers, die er im ersten Teil spielt. Sie gilt als eine der besten Nyonstring-Gitarren mit Tonabnehmersystem (und MIDI-Ansteuerung), die es gibt. Details dazu hier, die Hersteller-Homepage des Gitarrenbauers Frank Krocker: Frameworks Guitars. Falls jemand knapp 3000 Euros übrig hat - her damit! :-)
Hier nun endlich das Video. Mr. Blade hat sichtlich Spaß an der Sache:
Ok, ich würde auch eine Godin Multiac Nylon SA nehmen. Falls also jemand kanpp 1500 Euros übrig hat - her damit! :-))
Neugierig bin ich insbesondere auf Wolfgang Muthspiel. Hier ein Video von seinem »Friendly Travellers«-Duoprojekt mit Brian Blade. (Blade spielt auch auf Enjoy Jazz, aber im Wayne Shorter Quartett, nicht mit Muthspiel. Es wäre ein lustiges Unterfangen, mal zu schauen, wie viele solcher »hidden cooperations« im Enjoy-Jazz-Programm eines Jahres enthalten sind.)
Auffallend ist die Gitarre des Österreichers, die er im ersten Teil spielt. Sie gilt als eine der besten Nyonstring-Gitarren mit Tonabnehmersystem (und MIDI-Ansteuerung), die es gibt. Details dazu hier, die Hersteller-Homepage des Gitarrenbauers Frank Krocker: Frameworks Guitars. Falls jemand knapp 3000 Euros übrig hat - her damit! :-)
Hier nun endlich das Video. Mr. Blade hat sichtlich Spaß an der Sache:
Ok, ich würde auch eine Godin Multiac Nylon SA nehmen. Falls also jemand kanpp 1500 Euros übrig hat - her damit! :-))
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Wolfgang Muthspiel
Samstag, 24. Oktober 2009
Louis Sclavis Quintett
Auf den Mann war ich gespannt. Es geht im voraus ein Ruf wie Donnerhall. Was wird nicht alles mit ihm in Zusammenhang gebracht: die Klarinette, der französische Jazz überhaupt, die »folklore imaginaire«, musikalische Entdeckungsreisen in großem Radius rund ums Mittelmeer... vorgestellt wurde er bewußt unbescheiden als »bester Klarinettist der Welt«.
Ich kenne mich mit Rock-Stilistiken nicht wirklich aus, aber das muss etwas mit Grunge zu tun haben, was die Rhythmusgruppe da ablieferte (Bass, Schlagzeug, Gitarre); neben Sclavis war offenbar nur Matthieu Metzger (Sopran- und Altsaxofon) ein reiner »Jazzer«. Der Abend lief im Wesentlichen so ab, dass Sclavis und Metzger wunderbare Themen auf die Riffs flochten, die die Rhythmiker ablieferten. Der Mix war stimmig und ausgesprochen intensiv, und man hatte nie das Gefühl, dass es darum ging, wer wen bereichert oder erfrischt - es war einfach heutiger »Jazz-Rock«, nur etwas, nun ja, wurzelbewußter auf beiden Seiten des Bindestrichs, als das beim EST, in Christian Scotts Band oder bei manch anderem Projekt der Fall sein mag.
Ich dachte, vielleicht besingen sie ja das heutige Frankreich, das asynchrone, in dem Ländliches und urbane Hochkultur nebeneinander existieren - und dazwischen die Banlieus.
Die CD ist fantastisch! - Lost on the Way
Ich kenne mich mit Rock-Stilistiken nicht wirklich aus, aber das muss etwas mit Grunge zu tun haben, was die Rhythmusgruppe da ablieferte (Bass, Schlagzeug, Gitarre); neben Sclavis war offenbar nur Matthieu Metzger (Sopran- und Altsaxofon) ein reiner »Jazzer«. Der Abend lief im Wesentlichen so ab, dass Sclavis und Metzger wunderbare Themen auf die Riffs flochten, die die Rhythmiker ablieferten. Der Mix war stimmig und ausgesprochen intensiv, und man hatte nie das Gefühl, dass es darum ging, wer wen bereichert oder erfrischt - es war einfach heutiger »Jazz-Rock«, nur etwas, nun ja, wurzelbewußter auf beiden Seiten des Bindestrichs, als das beim EST, in Christian Scotts Band oder bei manch anderem Projekt der Fall sein mag.
Ich dachte, vielleicht besingen sie ja das heutige Frankreich, das asynchrone, in dem Ländliches und urbane Hochkultur nebeneinander existieren - und dazwischen die Banlieus.
Die CD ist fantastisch! - Lost on the Way
Dino Saluzzi und Anja Lechner
Wieder ein Konzert im Rittersaal, erwartungsgemäß sehr voll. Dino Saluzzi und Anja Lechner »dekomponieren« den Tango und machen eine Art Kammerjazz daraus - nur dass die Standards nicht aus amerikanischen Musicals, sondern ganz offensichtlich aus Argentienien stammen. Was so entsteht, ist eine ebenso wohlklingende wie tiefsinnige musikalische Philosophie des Zusammenhangs zwischen Europa und Amerika, zwischen Tonsatz und Improvisation, zwischen innermusikalischer Gesetzmäßigkeit und den Freiheiten des Gefühls, das diese Musik immer durchdringt. Alles andere als leichte Kost, aber ein sehr schöner Abend.

Bild: Antonios Malamos (Original in Facebook)
Aktuelle CD: Ojos Negros

Bild: Antonios Malamos (Original in Facebook)
Aktuelle CD: Ojos Negros
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Bandoneon,
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Dino Saluzzi,
ECM-Festival,
Rittersaal,
Tango
Egberto Gismonti / Alexandre Gismonti
Spät war ich dran, die A5 und die A6 beide verstopft, und bekam nur noch einen Platz ganz hinten. Wo ich dann an einer Säule stand und entspannt mitwippen konnte.
Egberto Gismonti und sein Sohn spielten sehr schön, und ich fragte mich mal wieder, was das denn eigentlich für ein Stil ist - moderne brasilianische klassische Gitarre? Kunstvoll überhöhte brasilianische Folklore? Dekonstruierter Dschungel-Samba? Irgendwann lauschte ich dann einfach nur noch und freute mich, Gismonti Stücke von »Danca das Cabecas« spielen zu sehen - ich hatte mich vor dreißig Jahren so sehr mit dem Gedanken vertraut gemacht, diese Musik selber nicht spielen zu können, dass ich es schon beinahe irgendwie verwegen fand, wie Gismonti selbst die Sachen einfach spielte. Und sein Sohn noch dazu.
Es war still geworden um Egberto Gismonti, jedenfalls in meiner Ecke des Hör-Universums, und man merkt ihm heute einen gewissen Hang zur Kanonisierung des Geschaffenen an. An mehr als einer Stelle auf der neuen Veröffentlichung lugen Motive aus den 70ern hervor. Und was damals - z.B. in der Zusammenarbeit mit Nana Vasconcelos - neu und spannend war, klingt jetzt vertraut und einfach nach Gismonti. So ändern sich die Zeiten.
Aktuelle CD: Saudações
Egberto Gismonti und sein Sohn spielten sehr schön, und ich fragte mich mal wieder, was das denn eigentlich für ein Stil ist - moderne brasilianische klassische Gitarre? Kunstvoll überhöhte brasilianische Folklore? Dekonstruierter Dschungel-Samba? Irgendwann lauschte ich dann einfach nur noch und freute mich, Gismonti Stücke von »Danca das Cabecas« spielen zu sehen - ich hatte mich vor dreißig Jahren so sehr mit dem Gedanken vertraut gemacht, diese Musik selber nicht spielen zu können, dass ich es schon beinahe irgendwie verwegen fand, wie Gismonti selbst die Sachen einfach spielte. Und sein Sohn noch dazu.
Es war still geworden um Egberto Gismonti, jedenfalls in meiner Ecke des Hör-Universums, und man merkt ihm heute einen gewissen Hang zur Kanonisierung des Geschaffenen an. An mehr als einer Stelle auf der neuen Veröffentlichung lugen Motive aus den 70ern hervor. Und was damals - z.B. in der Zusammenarbeit mit Nana Vasconcelos - neu und spannend war, klingt jetzt vertraut und einfach nach Gismonti. So ändern sich die Zeiten.
Aktuelle CD: Saudações
Freitag, 23. Oktober 2009
Terje Rypdal / Miroslav Vitous / Gerald Cleaver
Besprechung folgt
Donnerstag, 22. Oktober 2009
John Abercrombie Quartet
Ich konnte nicht da sein. Grrrmmpf.
Wie wars denn? Kommentare willkommn.
Wie wars denn? Kommentare willkommn.
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ECM-Festival,
Gitarre,
John Abercrombie,
verpasst
Helge Sunde Ensemble Denada
Was für ein Konzert. Bei den ersten Tönen pflanzte sich ein Grinsen auf mein Gesicht - und ging nicht mehr weg. Gut 70 Minuten später war alles gesagt. Was für eine Band!
Tja, wie soll man das beschreiben? Nach einem stimmungsvollen Vocoder-Intro legte die 15-köpfige Big Band mit einem vertrackten Funk-Stück namens »Obstler« los. Vertrackt war nicht nur die Rhythmik, sondern auch die Stimmführung - die Melodie wurde zwischen den Bläsergruppen hin- und hergereicht, und das in einer Art und Weise, die Spielfreude und Präzision aufs Schönste miteinander verband. Ein Ohrenweide für mich, der von den Schwächen der Rhythmuskonzeption der Jan Garbarek Group vom Vorabend noch reichlich genervt war.
Weiter gings mit einer italienischen Suite, die sozusagen programmmusikalische Elemente durchscheinen ließ. Beim Titelstück der anstehenden CD-Veröffentlichung »Finding Nymo« weckte das Intro zwischen den Nymo-Brüdern (Tenor- vs. Sopransaxophon) Erinnerungen an Arthur Blythe und David Murray in Jack DeJohnettes »Special Edition« zu Beginn der 80er... Zu guter letzt spielten sie eine Ballade als Zugabe - zum Heulen schöne Bläsersätze. Das können sie also auch.
Um es kurz zu machen: Helge Sunde Ensemble Denada klingt wie eine Kreuzung aus dem Maria Schneider Jazz Orchestra und Colemans M-Base-Ansatz, gewürzt mit einem kräftigen Schuß skandinavischen Humors. Wer sich die CD kauft: Bitte wenigstens beim ersten Mal laut hören.
Kleiner Eindruck gefällig? Bitte schön:
Aktuelle CD: Finding Nymo
Tja, wie soll man das beschreiben? Nach einem stimmungsvollen Vocoder-Intro legte die 15-köpfige Big Band mit einem vertrackten Funk-Stück namens »Obstler« los. Vertrackt war nicht nur die Rhythmik, sondern auch die Stimmführung - die Melodie wurde zwischen den Bläsergruppen hin- und hergereicht, und das in einer Art und Weise, die Spielfreude und Präzision aufs Schönste miteinander verband. Ein Ohrenweide für mich, der von den Schwächen der Rhythmuskonzeption der Jan Garbarek Group vom Vorabend noch reichlich genervt war.
Weiter gings mit einer italienischen Suite, die sozusagen programmmusikalische Elemente durchscheinen ließ. Beim Titelstück der anstehenden CD-Veröffentlichung »Finding Nymo« weckte das Intro zwischen den Nymo-Brüdern (Tenor- vs. Sopransaxophon) Erinnerungen an Arthur Blythe und David Murray in Jack DeJohnettes »Special Edition« zu Beginn der 80er... Zu guter letzt spielten sie eine Ballade als Zugabe - zum Heulen schöne Bläsersätze. Das können sie also auch.
Um es kurz zu machen: Helge Sunde Ensemble Denada klingt wie eine Kreuzung aus dem Maria Schneider Jazz Orchestra und Colemans M-Base-Ansatz, gewürzt mit einem kräftigen Schuß skandinavischen Humors. Wer sich die CD kauft: Bitte wenigstens beim ersten Mal laut hören.
Kleiner Eindruck gefällig? Bitte schön:
Aktuelle CD: Finding Nymo
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Noten und Neuronen
»Noten und Neuronen« ist ein sehr sehenswerter Film über neuere Forschungen zu den Grundlagen der Musik im menschlichen Gehirn. Er wurde bei Arte gesendet und wird demnächst wiederholt.
Leitmotiv ist ein Dialog am Klavier zwischen Bobby McFerrin und einem der Neurowissenschaftler (Namen leider vergessen). In den einzelnen Features geht es um Fragen wie:
Wo es neurologisch wird, sind die Sachverhalte an einer halb durchsichtigen Hirnvisualisierung dargestellt, und es ist eindrucksvoll zu sehen, wie viele Bereiche beim Hören und insbesondere beim Spielen aktiv sind.
Man kann also durchaus sagen: »Enjoy Jazz. Von führenden Hirnforschern empfohlen.« :-)
Leitmotiv ist ein Dialog am Klavier zwischen Bobby McFerrin und einem der Neurowissenschaftler (Namen leider vergessen). In den einzelnen Features geht es um Fragen wie:
- Warum ist Musik überhaupt entstanden?
- Was ist der »Vorteil« von Musik in der Evolution?
- Warum entsteht bei mancher Musik Gänsehaut?
- Sind Attribute von Musikstücken wie »traurig« oder »fröhlich« kulturell erworben oder gibt es da Universalien?
- Sind beim gemeinsamen Musizieren andere Gehirnareale aktiv als wenn man allein spielt? (Antwort: Zusätzliche!)
- etc.
Wo es neurologisch wird, sind die Sachverhalte an einer halb durchsichtigen Hirnvisualisierung dargestellt, und es ist eindrucksvoll zu sehen, wie viele Bereiche beim Hören und insbesondere beim Spielen aktiv sind.
Man kann also durchaus sagen: »Enjoy Jazz. Von führenden Hirnforschern empfohlen.« :-)
Vorfreude auf PUNKT
Jan Bang und PUNKT zu Gast bei Enjoy Jazz - das »richtige« PUNKT Festival ist gerade zu Ende gegangen, und die jazzThetik hat einen Bericht. Hinweis an mich selbst: Lesen!
Eivind Aarset, einer der wenigen Remixer, die bei der Arbeit die Gitarre auf dem Schoß haben, wird auch in Mannheim mit dabei sein:

Bild: jazzthetik
Eivind Aarset, einer der wenigen Remixer, die bei der Arbeit die Gitarre auf dem Schoß haben, wird auch in Mannheim mit dabei sein:

Bild: jazzthetik
Dienstag, 20. Oktober 2009
Jan Garbarek
Nach der letztjährigen Veröffentlichung mit der Perkussionistin Marylin Mazur (schöne Platte) war ich insbesondere gespannt auf Trilok Gurtu an der Perkussion. Man muss aber wissen, dass in der gegenwärtigen Jan Garbarek Group (Dresden) eigentlich Manu Katché das Schlagzeug spielt.
Insgesamt war das Konzert leider eine Enttäuschung. Die Band wirkte zu Beginn unsicher, Brüninghaus ließ die Noten keinen Moment aus den Augen, der Bassist wirkte stellenweise von Gurtus rhythmischen Irritationen - nun ja, irritiert. Der Sound war mittelmäßig, sowohl beim bundlosen E-Bass (offenbar mit tiefer H-Saite) als auch beim Percussion Set waren die tiefen Frequenzen außer Kontrolle. Die Synthie-Sounds, die Brüninghaus hier und da verwendete, klangen recht altbacken und abgehangen.
Was mich aber am meisten gestört hat, war Trilok Gurtus Snaredrum. Nicht nur schepperte sie bei Bass- und Keyboard-Solos (weil die Snares nicht weggeklappt wurden), sie war vor allem sehr laut, und Gurtu hat die Angewohnheit, auch bei geraden Rhythmen die 2 und/oder die 4 leicht versetzt zu spielen bzw. zu variieren. Insgesamt war das Resultat, dass die schwelgerischen Melodiebögen und Harmoniefolgen von Garbareks Kompositionen nicht atmen konnten.
Die Achse Brüninghaus-Gurtu funktionierte fast überhaupt nicht, gerade bei den tighten Nummern lief rhythmisch so manches nicht wirklich zusammen. Ärgerlich, wenn man sich als Zuhörer gezwungen fühlt, zu hoffen, dass die Herren auf der Bühne die nächste Eins finden mögen.
Die Sonne ging nur an ein paar Stellen wirklich auf, interessanterweise bei den Solos (Brüninghaus, Gurtu) und zuletzt in einer schönen Interaktion zwischen Gurtu und Garbarek an einer Art Querflöte aus Holz.
Garbarek selbst gefiel sehr - er ist nicht nur unverkennbar, sondern auch einfach sehr gut. Selbst mit den kürzesten Melodiefragmenten erzählt er Geschichten.
Insgesamt war das Konzert leider eine Enttäuschung. Die Band wirkte zu Beginn unsicher, Brüninghaus ließ die Noten keinen Moment aus den Augen, der Bassist wirkte stellenweise von Gurtus rhythmischen Irritationen - nun ja, irritiert. Der Sound war mittelmäßig, sowohl beim bundlosen E-Bass (offenbar mit tiefer H-Saite) als auch beim Percussion Set waren die tiefen Frequenzen außer Kontrolle. Die Synthie-Sounds, die Brüninghaus hier und da verwendete, klangen recht altbacken und abgehangen.
Was mich aber am meisten gestört hat, war Trilok Gurtus Snaredrum. Nicht nur schepperte sie bei Bass- und Keyboard-Solos (weil die Snares nicht weggeklappt wurden), sie war vor allem sehr laut, und Gurtu hat die Angewohnheit, auch bei geraden Rhythmen die 2 und/oder die 4 leicht versetzt zu spielen bzw. zu variieren. Insgesamt war das Resultat, dass die schwelgerischen Melodiebögen und Harmoniefolgen von Garbareks Kompositionen nicht atmen konnten.
Die Achse Brüninghaus-Gurtu funktionierte fast überhaupt nicht, gerade bei den tighten Nummern lief rhythmisch so manches nicht wirklich zusammen. Ärgerlich, wenn man sich als Zuhörer gezwungen fühlt, zu hoffen, dass die Herren auf der Bühne die nächste Eins finden mögen.
Die Sonne ging nur an ein paar Stellen wirklich auf, interessanterweise bei den Solos (Brüninghaus, Gurtu) und zuletzt in einer schönen Interaktion zwischen Gurtu und Garbarek an einer Art Querflöte aus Holz.
Garbarek selbst gefiel sehr - er ist nicht nur unverkennbar, sondern auch einfach sehr gut. Selbst mit den kürzesten Melodiefragmenten erzählt er Geschichten.
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Jan Garbarek,
Saxofon,
Stadthalle Heidelberg,
Trilok Gurtu
Sonntag, 18. Oktober 2009
Orchestre National De Jazz - Around Robert Wyatt
Den Namen hielt ich zunächst für eine ironische Selbstzuschreibung. Aber Frankreich hat tatsächlich ein »Nationales Jazzorchester«. Was ich auch nicht wußte: der künstlerische Leiter oder die Leiterin des Orchesters wird jeweils für drei Jahre festgelegt und sucht sich dann jeweils sein oder ihr Orchester zusammen. Was im Fall des sympathischen Daniel Yvinec durchaus gelungen zu sein scheint.
Ich könnte mir vorstellen, dass ein »nationales Orchester« auch über entsprechendes Budget, Logistik etc. verfügt. Dieser Film hier ist jedenfalls ausgesprochen professionell gemacht und gibt einen Einblick in das Orchester und sein Projekt »Around Robert Wyatt«:
Einleitend erläuterte Yvinec das Konzept: Ausgehend von Gesangssamples von Robert Wyatt himself, Rokia Traoré, Camille und immer wieder Yael Naim, werden Arrangements von Wyatt-Songs für das Orchester entwickelt. Wie die Stimmen von »Geistern«, so Yvinec, sind die Stimmen auch live zu hören - die Band spielt »dazu«.
Zunächst mal überraschen und gefallen die Klangfarben. Hier hat Arrangeur Vincent Artaud (hoffe mal dass der Link stimmt) Großartiges geleistet. Ich musste manchmal an Gil Evans denken, vor allem sein »Gil Evans Orchestra plays the Music of Jimi Hendrix« - viel »Holz«, rockig-treibende Rhythmen, dramatischer Spannungsaufbau (bei manchen Stücken ging richtiggehend die Sonne auf), Synthesizer, Verzerrer auf dem E-Bass... Im Ergebnis stimmte auch das »Zusammenspiel« mit den Einspielungen von Wyatts brüchiger Stimme aus dem Off.
Aber da ist noch mehr drin! Man hatte manchmal auch das Gefühl, die Band müsse sich von Arrangements und Stimm-Einspielungen erst noch freispielen, bevor der letzte Funke überspringt. Die meist kurzen Solo-Statements sind zudem oft in wenige Takte gepresst. Da sitzt das Korsett der Noten noch etwas zu eng. Die Passagen, in denen ONJ richtig »die Kuh fliegen lassen«, waren zu wenige und meist zu kurz. Aber das Orchester ist noch jung und existiert erst seit 2009 in dieser Formation. Da kann sich noch so manches ereignen.
Die übliche Randbemerkung zum Thema Hypertext. Falls es noch eines Beweises bedurfte, dass alles mit allem zusammenhängt - hier ist er: Frankreich hat also ein »Nationales Jazzorchester«, das geleitet wird von einem gewissen Daniel Yvinec, der als Bassist früher mit Nelson Veras zusammengespielt hat, einem brasilianischen Jazzgitarristen, der einmal (bei youtube kann man das sehen) ein Duo mit einem anderen Gitarristen gespielt hat, dessen Namen ich nicht kenne, der aber dieselbe Gitarre spielt (eine Godin Multiac) wie der sehr verehrte Sylvain Luc, der neulich in Tagolsheim spielte, das ein Teil von Illfurth ist, das bei Mulhouse liegt, welches im Elsaß liegt, das ein Teil Frankreichs ist, welches ein »Nationales Jazzorchester« hat... Als Hausaufgabe notieren wir das Ganze in RDF.
Kurz gesagt: es ist so unglaublich viel gute Musik in der Luft, das Leben ist lang, und es ist genug für alle da.
Ich könnte mir vorstellen, dass ein »nationales Orchester« auch über entsprechendes Budget, Logistik etc. verfügt. Dieser Film hier ist jedenfalls ausgesprochen professionell gemacht und gibt einen Einblick in das Orchester und sein Projekt »Around Robert Wyatt«:
Einleitend erläuterte Yvinec das Konzept: Ausgehend von Gesangssamples von Robert Wyatt himself, Rokia Traoré, Camille und immer wieder Yael Naim, werden Arrangements von Wyatt-Songs für das Orchester entwickelt. Wie die Stimmen von »Geistern«, so Yvinec, sind die Stimmen auch live zu hören - die Band spielt »dazu«.
Zunächst mal überraschen und gefallen die Klangfarben. Hier hat Arrangeur Vincent Artaud (hoffe mal dass der Link stimmt) Großartiges geleistet. Ich musste manchmal an Gil Evans denken, vor allem sein »Gil Evans Orchestra plays the Music of Jimi Hendrix« - viel »Holz«, rockig-treibende Rhythmen, dramatischer Spannungsaufbau (bei manchen Stücken ging richtiggehend die Sonne auf), Synthesizer, Verzerrer auf dem E-Bass... Im Ergebnis stimmte auch das »Zusammenspiel« mit den Einspielungen von Wyatts brüchiger Stimme aus dem Off.
Aber da ist noch mehr drin! Man hatte manchmal auch das Gefühl, die Band müsse sich von Arrangements und Stimm-Einspielungen erst noch freispielen, bevor der letzte Funke überspringt. Die meist kurzen Solo-Statements sind zudem oft in wenige Takte gepresst. Da sitzt das Korsett der Noten noch etwas zu eng. Die Passagen, in denen ONJ richtig »die Kuh fliegen lassen«, waren zu wenige und meist zu kurz. Aber das Orchester ist noch jung und existiert erst seit 2009 in dieser Formation. Da kann sich noch so manches ereignen.
Die übliche Randbemerkung zum Thema Hypertext. Falls es noch eines Beweises bedurfte, dass alles mit allem zusammenhängt - hier ist er: Frankreich hat also ein »Nationales Jazzorchester«, das geleitet wird von einem gewissen Daniel Yvinec, der als Bassist früher mit Nelson Veras zusammengespielt hat, einem brasilianischen Jazzgitarristen, der einmal (bei youtube kann man das sehen) ein Duo mit einem anderen Gitarristen gespielt hat, dessen Namen ich nicht kenne, der aber dieselbe Gitarre spielt (eine Godin Multiac) wie der sehr verehrte Sylvain Luc, der neulich in Tagolsheim spielte, das ein Teil von Illfurth ist, das bei Mulhouse liegt, welches im Elsaß liegt, das ein Teil Frankreichs ist, welches ein »Nationales Jazzorchester« hat... Als Hausaufgabe notieren wir das Ganze in RDF.
Kurz gesagt: es ist so unglaublich viel gute Musik in der Luft, das Leben ist lang, und es ist genug für alle da.
Labels:
Big Band,
Feuerwache,
Orchestre National De Jazz
Freitag, 16. Oktober 2009
Vorfreude auf Wayne Shorter
Am 11.11. ist es so weit: Wayne Shorter wird dann mit seinem langjährigen Quartett in der Stadthalle Heidelberg spielen bzw. spielen.
Die ZEIT brachte kurzlich ein aktuelles Kurzportrait von Shorter und seiner Band unter dem Titel »Botschaften von oben«. Besser vor dem Konzert lesen! :-)
Hier ein Mitschnitt (aus dem Jahre 2003, aber in aktueller Besetzung) des Quartetts. Bemerkenswert, was sie aus »Joy Ryder« machen, eine Nummer, die von einem von Shorters »Post-Weather-Report-Fusion«-Alben stammt.
Ich wollte mir eigentlich heute das »Mäandern im Hypertext« verkneifen, aber es sollte vielleicht trotzdem kurz erwähnt werden, dass Brian Blade, der Schlagzeuger des Quartetts, nicht nur höchst einfühlsam und geradezu spektakulär einfallsreich Jazz spielt, sondern im Moment mit einem eigenen Album unter dem Titel »Mama Rosa« als Singer/Songwriter von sich reden macht! Kein Scherz! Und er hat mit Wolfgang Muthspiel (der mit MGT auch bei Enjoy Jazz auftritt) meines Wissens zwei Duo-Aufnahmen veröffentlicht. Und Danilo Perez... das führt nach Kuba. Also für jetzt zu weit.
Die ZEIT brachte kurzlich ein aktuelles Kurzportrait von Shorter und seiner Band unter dem Titel »Botschaften von oben«. Besser vor dem Konzert lesen! :-)
Hier ein Mitschnitt (aus dem Jahre 2003, aber in aktueller Besetzung) des Quartetts. Bemerkenswert, was sie aus »Joy Ryder« machen, eine Nummer, die von einem von Shorters »Post-Weather-Report-Fusion«-Alben stammt.
Ich wollte mir eigentlich heute das »Mäandern im Hypertext« verkneifen, aber es sollte vielleicht trotzdem kurz erwähnt werden, dass Brian Blade, der Schlagzeuger des Quartetts, nicht nur höchst einfühlsam und geradezu spektakulär einfallsreich Jazz spielt, sondern im Moment mit einem eigenen Album unter dem Titel »Mama Rosa« als Singer/Songwriter von sich reden macht! Kein Scherz! Und er hat mit Wolfgang Muthspiel (der mit MGT auch bei Enjoy Jazz auftritt) meines Wissens zwei Duo-Aufnahmen veröffentlicht. Und Danilo Perez... das führt nach Kuba. Also für jetzt zu weit.
Ryuichi Sakamoto
Ryuichi Sakamoto kenne ich schon aus der Zeit, als man noch mit dem Cassettendeck Vinylplatte überspielte. Also schon ziemlich lang. Dementsprechend neugierig war ich, einen geschätzten, wenn auch nicht unbedingt geliebten Künstler von seinem Format einmal live zu erleben. (Wen die »musikphilosophischen« Hintergründe interessieren, der mag in einem aktuellen ZEIT-Interview mit Sakamoto weiterlesen.)
Und so ungefähr hörte sich das dann über weite Strecken an:
Der Abend begann aus einer geradezu feierlichen Stille heraus mit minimalistischen Elektronika, zu denen Sakamoto kleine Klaviereinsprengsel und »präpariertes Piano« zu Gehör brachte - Stücke aus seinem aktuellen Album "Out of Noise". Man fühlte sich auch an seine Zusammenarbeit mit Alva Noto (z.B. Vrioon, 2002) erinnert. Geschmackvolle minimalistische Visuals luden zu eigenen Assoziationen ein.
Der Sound war überraschend gut (ich denke noch mit Grausen an das letztjährige Paul-Weller-Event in der Stadthalle zurück), jedes Knispeln in den synthetischen Flächen, jedes Schaben an den Klaviersaiten war in aller wünschenswerten Klarheit zu hören. Später sah ich den Grund: die ganze Halle war mit nichts als 8 Geithain-Regielautsprechern beschallt - vom Feinsten das Feinste.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde wandte sich Sakamoto dann ans Publikum mit der Bemerkung, ab jetzt gebe es keine fertige Setlist mehr, sondern er würde spielen, wozu ihn die Stimmung, das Publikum, die Halle gerade inspirierten.
Unterstützt von Sample-Einspielungen (meistens vorher aufgenommene Piano-Loops) und einem Live-Looper konnte der vielfach dekorierte Fimmusik-Komponist dann aus dem Vollen schöpfen ließ es überwiegend romantisch tönen, ganz im Sinne seiner Veröffentlichung »Playing the Piano«, auf der die Highlights seines Schaffens in Solopiano-Einspielungen versammelt sind (aufgenommen 2004/2005). Das war sympathisch, schön, versöhnlich, aber für meinen Geschmack z.T. etwas zu nahe am Kitsch. Man spürte aber die große Liebe zur Musik und vor allem zur europäischen Tradition. Sakamoto ist ein großer Verehrer von Debussy. (Als ich in einem Kaufhaus in Hiroshima eine ganze Etage mit europäischen Modemarken betrat, meinte mein japanischer Begleiter, der meine Verwunderung wahrnahm: »Die Japaner haben Sehnsucht nach Europa«). Einzige Fremdkomposition war Ennio Morricones Titelmelodie zu Novecento.
Nachdem er sich warmgespielt hatte (sein Kommentar zu unseren Oktober-Temperaturen: »Global Colding?«), konnte Ryuichi Sakamoto kaum noch aufhören. Die erste Zugabe umfaßte vier Stücke, zwei weitere Zugaben folgten, und am Ende hatte das teilweise begeisterte, teilweise letztlich indifferente Publikum ein langes Konzert von satten zwei Stunden erlebt.
Resumee: Die Stadthalle in Heidelberg klingt nicht per se schlecht, und Ryuichi Sakamoto blüht eher in Kooperationen denn als Solo-Pianist.
Und so ungefähr hörte sich das dann über weite Strecken an:
Der Abend begann aus einer geradezu feierlichen Stille heraus mit minimalistischen Elektronika, zu denen Sakamoto kleine Klaviereinsprengsel und »präpariertes Piano« zu Gehör brachte - Stücke aus seinem aktuellen Album "Out of Noise". Man fühlte sich auch an seine Zusammenarbeit mit Alva Noto (z.B. Vrioon, 2002) erinnert. Geschmackvolle minimalistische Visuals luden zu eigenen Assoziationen ein.
Der Sound war überraschend gut (ich denke noch mit Grausen an das letztjährige Paul-Weller-Event in der Stadthalle zurück), jedes Knispeln in den synthetischen Flächen, jedes Schaben an den Klaviersaiten war in aller wünschenswerten Klarheit zu hören. Später sah ich den Grund: die ganze Halle war mit nichts als 8 Geithain-Regielautsprechern beschallt - vom Feinsten das Feinste.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde wandte sich Sakamoto dann ans Publikum mit der Bemerkung, ab jetzt gebe es keine fertige Setlist mehr, sondern er würde spielen, wozu ihn die Stimmung, das Publikum, die Halle gerade inspirierten.
Unterstützt von Sample-Einspielungen (meistens vorher aufgenommene Piano-Loops) und einem Live-Looper konnte der vielfach dekorierte Fimmusik-Komponist dann aus dem Vollen schöpfen ließ es überwiegend romantisch tönen, ganz im Sinne seiner Veröffentlichung »Playing the Piano«, auf der die Highlights seines Schaffens in Solopiano-Einspielungen versammelt sind (aufgenommen 2004/2005). Das war sympathisch, schön, versöhnlich, aber für meinen Geschmack z.T. etwas zu nahe am Kitsch. Man spürte aber die große Liebe zur Musik und vor allem zur europäischen Tradition. Sakamoto ist ein großer Verehrer von Debussy. (Als ich in einem Kaufhaus in Hiroshima eine ganze Etage mit europäischen Modemarken betrat, meinte mein japanischer Begleiter, der meine Verwunderung wahrnahm: »Die Japaner haben Sehnsucht nach Europa«). Einzige Fremdkomposition war Ennio Morricones Titelmelodie zu Novecento.
Nachdem er sich warmgespielt hatte (sein Kommentar zu unseren Oktober-Temperaturen: »Global Colding?«), konnte Ryuichi Sakamoto kaum noch aufhören. Die erste Zugabe umfaßte vier Stücke, zwei weitere Zugaben folgten, und am Ende hatte das teilweise begeisterte, teilweise letztlich indifferente Publikum ein langes Konzert von satten zwei Stunden erlebt.
Resumee: Die Stadthalle in Heidelberg klingt nicht per se schlecht, und Ryuichi Sakamoto blüht eher in Kooperationen denn als Solo-Pianist.
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Piano,
Ryuichi Sakamoto,
Stadthalle Heidelberg
Dienstag, 13. Oktober 2009
Schon wieder?
Vom Glück verfolgt? Oder wie soll man das nennen? Ich hab schon wieder einen Festivalpass von der JazzThetik gewonnen! Unglaublich! Niemals hätte ich gedacht, dass ich diesen Weblog fortführen würde - aber es bleibt ja fast nichts anderes übrig. :-)


Die Preisfrage lautete übrigens diesmal, wessen Schuhe auf dem Cover des Albums »The Third Man« von Enrico Rava und Stefano Bollani abgebildet waren. Die Platte sei Orson Welles und dem Film Noir gewidmet, stand bei ECM zu lesen. Nachdem ich bei Flickr eine Version des Covers ohne Schuhe ausfindig gemacht hatte, vermutete ich, dass es nicht die Schuhe von Manfred Eicher waren, der seinen Künstlern beim Diskutieren zuhörte... Und da die schwarzen Lackschuhe sozusagen das Markenzeichen von Orson Welles waren, konnte es sich eigentlich nur um ihn handeln. (Vielleicht war das ja ein »produktiver Irrtum« - wenn man genau hinsieht, erkennt man auf dem schuh-losen Cover an Stelle der Schuhe Spuren von Pixelschubserein. Wer weiß.)


Die Preisfrage lautete übrigens diesmal, wessen Schuhe auf dem Cover des Albums »The Third Man« von Enrico Rava und Stefano Bollani abgebildet waren. Die Platte sei Orson Welles und dem Film Noir gewidmet, stand bei ECM zu lesen. Nachdem ich bei Flickr eine Version des Covers ohne Schuhe ausfindig gemacht hatte, vermutete ich, dass es nicht die Schuhe von Manfred Eicher waren, der seinen Künstlern beim Diskutieren zuhörte... Und da die schwarzen Lackschuhe sozusagen das Markenzeichen von Orson Welles waren, konnte es sich eigentlich nur um ihn handeln. (Vielleicht war das ja ein »produktiver Irrtum« - wenn man genau hinsieht, erkennt man auf dem schuh-losen Cover an Stelle der Schuhe Spuren von Pixelschubserein. Wer weiß.)
Montag, 12. Oktober 2009
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