Mittwoch, 4. November 2009

Bobby Hutcherson

Dieses Konzert hab ich einem Freund zum Geburtstag geschenkt. Ich war zu Beginn etwas nervös, weil die Musik recht traditionell und ohne rechte Biß daherkam.

Doch die Band steigerte sich ab dem dritten Stück merklich. Hutcherson an seinem Vibraphon, eine Mischung aus Elder Statesman und Entertainer, hat hörbar Freude am Spielen und am Spiel seiner Begleiter. Höhepunkt des Konzerts war eine Art Coltrane-Medley, bei dem insbesondere der Pianist Joe Gilman glänzte, ach was, erstrahlte! Gilman ist ganz sicher nicht einer der modernsten Pianisten, aber seit diesem Tag denke ich: einer der spannendsten.

Schade, dass Hutcherson erstens nur einen einzigen Akkord mit vier Schlegeln spielte und zweitens keine zweite Zugabe spielte, trotz lang anhaltenden Applauses.

Was mich bei älteren Musikern öfter interessiert: Warum spielen sie heute die Musik, die sie spielen? Nicht jeder treibt ja alles immer so bedingungslos voran wie Miles Davis das tat. Hutcherson zum Beispiel war Vibraphonist auf Eric Dolphys bahnbrechender Veröffentlichung »Out To Lunch« von 1964 (die eher mit Free Jazz oder zumindest abstrakten Strukturen liebäugelte), zehn Jahre später veröffentlichte er unter eigenem Jahren das Album »Cirrus«, eine zeitgemäß hippieske Fusion-Einspielung... und heute erzählt er uns die bzw. seine Jazz-Geschichte wie eine kanonisierte Variante zwischen MJQ und Coltrane. Fusion, Funk oder die harmonischen Freiheiten Dolphys fehlen.

Manchmal sagt ja auch ein Bild mehr als tausend Töne:



Und heute:



Aktuelle CD: For Sentimental Reasons

Keine Kommentare: