Dienstag, 3. November 2009

Overtone Quartett

Die Besetzung versprach einen spannenden Abend im »Haus« in Ludwigshafen:

Dave Holland : b
Eric Harland : dr
Chris Potter : sax
Jason Moran : p

Dave Holland ist einer meiner absoluten Favoriten. Zum ersten Mal hab ich ihn vor 15 Jahren als Teil des »World Trio« mit Mino Cinelu und Kevin Eubanks gesehen (auf dem Post-This-Neo-That-Festival 1994 in Köln) und bin seither angetan von seinem Groove, seinen kompositorischen Fähigkeiten, seinem ganzen Habitus. Und nicht zuletzt von seiner Fähigkeit, mit einer zwingenden musikalischen Logik absolute Spitzenbands zu besetzen.

Daher war es ein »Must«, das Overtone Quartett anzusehen. Von Jason Moran hab ich auch das eine oder andere gehört, er ist interessant, aber für meinen Geschmack kingt er immer etwas »düster«. Chris Potter, klar, bekannt aus Hollands Quintett, ein ebenso kraftvoller wie eloquenter Spieler. Eric Harland war der große Unbekannte für mich - und er war auch die »Entdeckung des Abends«.

Das Konzert begann auf einem hohen Energielevel, und dort blieb es dann auch. Die vier spielen einen sehr »heutigen« Jazz irgendwo zwischen verschraubt und bauchig, alles setzt schon auf einem hohen Abstraktionsniveau an, aber Timing, Energie und Spielfreude lassen nie den Eindruck aufkommen, man habe es mit »Kopfmusik« zu tun. Eric Harland hat ein interessantes Konzept - sein Spiel klingt seltsam unrund, immer wieder überrschend, kaum geschieht einmal zwei Takte dasselbe. Und doch landet er immer wieder auf dem Punkt, treibt das Quartett voran, zieht und schiebt und was dergleichen Metaphern mehr sind. Seine Soloeinlage war eine einzige Explosion, Vergleiche fallen mir dazu keine ein.

Keine ganz leichte Kost, dieses Obertöne-Quartett, aber wer sich reinhört und die Grundtöne (der Tradition) selber beisteuert, wird reich belohnt. Satt.

Wie ichs rausgefunden habe, weiss ich selber nicht mehr so genau, aber es verhält sich so: Zum Overtone Quartet gibt es eine frühere Ausgabe namens Monterey Quartet (mit Gonzalo Rubalcaba statt Jason Moran am Piano, übrige Besetzung wie heute), und die haben ihren Auftritt in Monterey aufgenommen und veröffentlicht. Wahnsinns-Platte, für meine Ohren mit einem Klassiker wie »Extensions« ebenbürtig: Live at the Monterey Jazz Festival 2007.

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