Freitag, 6. November 2009

Branford Marsalis

Schönes Konzert, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass Branford Marsalis vielleicht der am meisten überbewertete Künstler des Festivals ist, jedenfalls was den Publikumszuspruch angeht. Die Feuerwache war gestopft voll bis auf den letzten Platz, und die ganze Neckarstadt schien von Festivalbesuchern vollgeparkt worden zu sein! Ist es der Name oder besser die »Institution« Marsalis, die diesen Effekt zeitigt?

Die Band spielte einen bunten Reigen von Gospel bis Free, immer kommunikativ (manchmal wurde auf der Bühne während des Stücks geplaudert), oft überraschend, ein Spiel mit erfüllten und enttäuschten Erwartungen - eben Zeit-Kunst, die sich im Ablauf ereignet. Auch zum Zuschauen amüsant: Gegen Ende einer Ballade fand Marsalis nach längerem Mäandern einen Schlußton, den Joey Calderazzo am Piano aber nicht aufnahm, der wollte offenbar woanders hin - und Branford machte einen Schritt zum Flügel und blies dem Pianisten den »richtigen« Ton zu Bestätigung nochmal ins Gesicht: »So mein ich das!« Herrlich!

Es war aber, und darum bleib ich bei meiner eingangs getroffenen Einschätzung, kein Moment dabei, wo einem wirklich das Herz hüpfte oder vor Staunen der Mund offen blieb - wie zwei Tage zuvor bei Joe Gilmans Klaviersolo über »A Love Supreme« oder Eric Harlands Schlagzeugsolo am Montag in LU. So jedenfalls erging es mir. Anderlautende Kommentare sind selbstverständlich willkommen (wenn überhaupt mal jemand hier einen Kommentar hinterlassen würde, wäre ich froh! Aber wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein).

Hier noch ein Interview in der ZEIT, das für einen Mann, der so viel in Bewegung setzt, relativ resigniert klingt.

Aktuelle CD: Metamorphosen

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